Bei Tageslicht helfen dir keine Positionslichter weiter, denn die sieht man erst in der Dämmerung. Trotzdem musst du auch tagsüber erkennen können, ob vor dir ein normales Boot, ein Schleppzug oder ein manövrierbehindertes Fahrzeug fährt. Dafür gibt es die Signalkörper, auch Tagzeichen genannt: einfache schwarze Formen, die an Mast oder Want gesetzt werden. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Signalkörper für Schub- und Schleppverbände sowie für besondere Fahrzeuge, ein Thema aus den Kollisionsverhütungsregeln, das sowohl im SBF Binnen als auch im SBF See geprüft wird.

In der Praxis begegnen dir Signalkörper seltener als Lichter, weil die meisten Sportbootfahrten bei Tageslicht ohnehin in Sichtweite anderer Fahrzeuge stattfinden und man sich eher an der Form des Rumpfes oder an typischen Arbeitsgeräten orientiert. In der Theorieprüfung tauchen sie trotzdem regelmäßig auf, oft als Bildfrage, bei der du eine gezeigte Formkombination einem Fahrzeugtyp zuordnen musst. Wer die Systematik einmal verstanden hat, verliert hier keine unnötigen Punkte mehr.

Die vier Grundformen der Signalkörper

Alle Signalkörper der KVR setzen sich aus vier einfachen schwarzen Grundformen zusammen:

  • Ball (Kugel)
  • Kegel (Spitze nach oben oder nach unten)
  • Zylinder
  • Raute (Rhombus): zwei Kegel mit gemeinsamer Grundfläche, also Spitze an Spitze

Aus diesen vier Formen und ihrer Kombination ergeben sich alle Tagzeichen, die du für die Prüfung kennen musst. Wer die Grundformen sicher auseinanderhält, kann die meisten Kombinationen danach logisch herleiten, statt jede einzeln auswendig zu lernen.

Schubverband, Schleppverband und gekoppelte Fahrzeuge

Auf Binnenwasserstraßen begegnen dir häufig Verbände, also mehrere Fahrzeuge, die gemeinsam unterwegs sind. Dabei werden drei Formen unterschieden:

  • Schubverband: Ein Schubboot ist starr mit einem oder mehreren antriebslosen Schubleichtern gekoppelt und schiebt diese vor sich her. Die Verbindung ist so fest, dass der gesamte Verband sich wie ein einziges Fahrzeug verhält.
  • Schleppverband: Ein oder mehrere Fahrzeuge werden von einem Maschinenfahrzeug an einer Schleppleine gezogen, die Verbindung ist also nicht starr, sondern über ein Seil.
  • Gekoppelte Fahrzeuge: Zwei oder mehr Fahrzeuge sind fest nebeneinander verbunden, etwa um gemeinsam zu manövrieren.

Für dich als Beobachter ist der wichtigste Unterschied, wie das Fahrzeug lichtmäßig auftritt: Ein starr gekoppelter Schubverband wird nach den Kollisionsverhütungsregeln wie ein einziges Fahrzeug behandelt und führt entsprechend auch nur eine einzige Positionslichter-Kombination. Ein Schleppverband dagegen besteht aus zwei getrennt erkennbaren Einheiten, dem schleppenden und dem geschleppten Fahrzeug, die jeweils eigene Lichter zeigen. Wie diese Lichter im Einzelnen aussehen, erklärt der Artikel zur Lichterführung genauer.

Gerade auf großen Binnenwasserstraßen wie dem Rhein begegnen dir Schubverbände, die aus mehreren Leichtern bestehen und dadurch deutlich länger und breiter wirken als ein einzelnes Frachtschiff. Für dich als Sportbootführer bedeutet das: Halte bei solchen Verbänden reichlich Abstand und rechne damit, dass sie kaum ausweichen können, selbst wenn du formal Kurshalter wärst.

Die Raute bei langen Schleppzügen

Für Schleppverbände gibt es eine zusätzliche Regel, die tagsüber wie nachts gilt: Beträgt die Länge des Schleppzugs, gemessen vom Heck des schleppenden Fahrzeugs bis zum äußersten Ende des letzten geschleppten Fahrzeugs oder Gegenstands, mehr als 200 Meter, müssen sowohl das schleppende als auch das geschleppte Fahrzeug zusätzlich eine Raute dort führen, wo sie am besten zu sehen ist. Das letzte geschleppte Fahrzeug oder der geschleppte Gegenstand führt außerdem eine Raute an oder nahe dem äußersten Ende, damit du als Kreuzungspartner erkennst, wo der Schleppzug tatsächlich endet.

Kann ein geschlepptes Fahrzeug, etwa ein unbemannter Ponton, die vorgeschriebenen Lichter oder Signalkörper aus baulichen Gründen nicht führen, müssen alle möglichen Maßnahmen getroffen werden, um es trotzdem zu beleuchten oder zumindest erkennbar zu machen. Für dich als Verkehrsteilnehmer bedeutet das in der Praxis: Siehst du eine Raute an einem sonst unauffälligen Fahrzeug oder Gegenstand, gehört es sehr wahrscheinlich zu einem Schleppverband, und du solltest reichlich Abstand zur gesamten Länge des Zuges halten, nicht nur zum sichtbaren Schlepper.

Fischereifahrzeuge erkennen

Fischende Fahrzeuge zeigen tagsüber einen Doppelkegel: zwei Kegel, deren Spitzen zusammenzeigen, senkrecht übereinander gesetzt. Dieses Zeichen gilt sowohl für Fahrzeuge, die mit einem Schleppnetz (Trawler) fischen, als auch für andere Fischereifahrzeuge, etwa mit Stellnetzen oder Langleinen. Nachts unterscheiden sich beide durch die Farbe ihrer Rundumlichter, tagsüber ist das Zeichen dasselbe.

Reicht bei einem Fischereifahrzeug, das nicht mit dem Schleppnetz fischt (etwa mit Stellnetzen oder Langleinen), das ausgebrachte Fanggerät mehr als 150 Meter waagerecht in eine Richtung, zeigt das Fahrzeug zusätzlich einen Kegel mit der Spitze nach oben in Richtung des Fanggeräts. So weißt du, auf welcher Seite du dem Fahrzeug besonders viel Platz lassen solltest, um nicht in die ausgebrachten Netze oder Leinen zu geraten. Bei Trawlern liegt das Schleppnetz dagegen direkt achteraus im Kielwasser, weshalb sie dieses zusätzliche Richtungszeichen nicht führen.

Manövrierunfähig und manövrierbehindert

Zwei Begriffe, die in der Prüfung gern verwechselt werden, lassen sich über ihre Signalkörper klar auseinanderhalten:

  • Manövrierunfähig (zum Beispiel bei Maschinenausfall): zwei schwarze Bälle senkrecht übereinander.
  • Manövrierbehindert (zum Beispiel beim Baggern, Loten oder Schleppen eines schweren Verbands): drei Signalkörper senkrecht übereinander in der Reihenfolge Ball – Raute – Ball.

Die Merkhilfe aus der Lichterführung: „Rot über Rot – das Schiff ist tot” für die nächtlichen zwei roten Rundumlichter bei Manövrierunfähigkeit lässt sich tagsüber direkt auf die zwei Bälle übertragen. Bei Manövrierbehinderung kommt tagsüber die Raute als mittleres Element hinzu, genau wie nachts das weiße Licht zwischen den beiden roten hinzukommt.

Bagger- und Taucherarbeiten

Ein manövrierbehindertes Fahrzeug, das baggert oder Taucherarbeiten durchführt und dabei den Fahrwasserverkehr auf einer Seite behindert, zeigt zusätzlich zu Ball-Raute-Ball zwei weitere Signalkörper an der betroffenen Seite:

  • Zwei Bälle übereinander zeigen die Seite an, auf der ein Hindernis liegt, also die Seite, die du meiden solltest.
  • Zwei Rauten übereinander zeigen die Seite an, auf der andere Fahrzeuge sicher passieren können.

Wichtig für die Prüfung: Diese Signale sind keine Notsignale. Sie zeigen lediglich an, dass das Fahrzeug in seiner Manövrierfähigkeit eingeschränkt ist und deshalb Vorrang vor den meisten anderen Fahrzeugen hat, wie im Artikel zu den Ausweichregeln beschrieben.

Tiefgangbehinderte Fahrzeuge

Ein tiefgangbehindertes Fahrzeug, also ein großes Schiff, das durch seinen Tiefgang stark an das vorhandene Fahrwasser gebunden ist, darf zusätzlich zu seinen normalen Lichtern einen Zylinder dort führen, wo er am besten zu sehen ist. Andere Fahrzeuge sollten einem so gekennzeichneten Schiff möglichst nicht die sichere Durchfahrt versperren, da es kaum Ausweichmöglichkeiten hat.

Für dich als Sportbootfahrer ist die Kategorie besonders in engen Fahrwassern und Zufahrten zu Häfen relevant, wo große Frachter oder Tanker trotz an sich ausreichender Fahrwasserbreite kaum seitlichen Spielraum haben. Der Zylinder ist hier ein deutliches Signal, frühzeitig auf Abstand zu gehen, statt auf ein knappes Passieren zu hoffen.

Vor Anker und aufgelaufen

Auch für ruhende Fahrzeuge gibt es klare Tagzeichen:

  • Vor Anker liegend: ein Ball, dort gesetzt, wo er am besten zu sehen ist, meist vorn im Vorschiff.
  • Aufgelaufen (gestrandet): drei Bälle senkrecht übereinander, zusätzlich zu den Ankerlichtern beziehungsweise dem Ankerball.

Diese beiden Zeichen wirken auf den ersten Blick ähnlich, sind aber leicht zu unterscheiden: Ein einzelner Ball bedeutet einfach „ich liege vor Anker”, drei Bälle übereinander bedeuten dagegen „ich sitze fest”.

Signalkörper und Schallsignale gehören zusammen

Signalkörper sind nur die eine Hälfte des Themas. Bei guter Sicht siehst du die Form, bei Nebel oder starkem Regen hilft dir nur noch das Ohr. Deshalb geben genau dieselben Fahrzeugkategorien, also fischende, manövrierunfähige, manövrierbehinderte, tiefgangbehinderte sowie schleppende und geschobene Fahrzeuge, bei verminderter Sicht ein eigenes Schallsignal ab, damit sie auch ohne Sichtkontakt erkennbar bleiben. Wie diese Schallsignale aufgebaut sind und wo die typischen Verwechslungsfallen zwischen See und Binnen liegen, erklärt der Artikel Schallsignale beim Sportbootführerschein. Wer die Fahrzeugkategorien aus diesem Artikel einmal verinnerlicht hat, tut sich auch bei den passenden Schallsignalen deutlich leichter.

So gehst du in der Prüfung vor

Bei Fragen zu Signalkörpern hilft ein festes Vorgehen:

  1. Grundform erkennen: Ball, Kegel, Zylinder oder Raute?
  2. Anzahl und Reihenfolge zählen: Ein Ball, zwei Bälle oder Ball-Raute-Ball?
  3. Kontext einordnen: Handelt es sich um einen Schleppverband, ein Fischereifahrzeug oder ein manövrierbehindertes Fahrzeug?
  4. Konsequenz ableiten: Wer hat hier nach den Ausweichregeln Vorrang, und wie viel Abstand brauche ich?

Ein Beispiel: Du siehst auf einem Fahrzeug zwei Kegel, Spitze an Spitze, übereinander. Schritt 1 sagt dir, das ist ein Doppelkegel. Schritt 2 liefert die Anzahl: zwei Kegel in dieser speziellen Anordnung. Schritt 3 ordnet das Zeichen einem fischenden Fahrzeug zu. Schritt 4 sagt dir, dass ein Fischereifahrzeug in der Rangordnung der Ausweichregeln über einem Maschinenfahrzeug und einem Segelfahrzeug steht, du also ausweichen musst und zusätzlich auf möglicherweise ausgebrachtes Fanggerät achten solltest.

Mit diesem Schema lassen sich die meisten Prüfungsfragen zu Signalkörpern sicher lösen, auch wenn die Bildkombination auf den ersten Blick ungewohnt aussieht.

Fazit

Signalkörper übersetzen die wichtigsten nächtlichen Lichterkombinationen in vier einfache Tagesformen: Ball, Kegel, Zylinder und Raute. Schub- und Schleppverbände, Fischereifahrzeuge, manövrierunfähige und manövrierbehinderte Fahrzeuge sowie tiefgangbehinderte, ankernde und aufgelaufene Schiffe lassen sich daran eindeutig erkennen, wenn du die Grundformen und ihre typischen Kombinationen einmal verinnerlicht hast. In der Boatpass-App kannst du genau diese Signalkörper-Fragen gezielt mit dem offiziellen ELWIS-Fragenkatalog üben, bis du jede Kombination auf Anhieb richtig zuordnest.