Bei Nacht oder schlechter Sicht erkennst du andere Fahrzeuge nur an ihren Lichtern – und musst aus der Lichterführung ablesen, um was für ein Fahrzeug es sich handelt, wohin es fährt und ob es vielleicht manövrierbehindert ist. Die Lichterführung ist ein Kernthema der SBF-See-Theorie. Hier bekommst du den Überblick, inklusive der berühmten Merksprüche.
Die Grundlichter und ihre Sektoren
Jedes Positionslicht leuchtet nur über einen bestimmten Horizontbogen – daraus ergibt sich, aus welcher Richtung du es siehst:
- Topplicht: weißes Licht, 225°, strahlt nach vorn (über beide Seiten bis querab-achtern).
- Hecklicht: weißes Licht, 135°, strahlt nach achtern (hinten).
- Seitenlichter: je 112,5° – grün an Steuerbord (rechts), rot an Backbord (links).
- Rundumlicht: weißes (oder farbiges) Licht, 360°, rundum sichtbar.
Zusammen ergeben Topplicht (225°) und Hecklicht (135°) genau 360° – das Boot ist also aus jeder Richtung sichtbar.
Maschinenfahrzeug in Fahrt
Ein Maschinenfahrzeug (Motorboot) in Fahrt führt:
- Topplicht (vorn, weiß)
- Seitenlichter (grün/rot)
- Hecklicht (achtern, weiß)
Kleine Maschinenfahrzeuge unter 12 m dürfen das Topplicht und Hecklicht zu einem weißen Rundumlicht zusammenfassen – plus Seitenlichter. Fahrzeuge ab 50 m führen zusätzlich ein zweites, höheres Topplicht.
So erkennst du die Fahrtrichtung: Siehst du beide Seitenlichter (rot und grün) plus Topplicht, kommt das Boot direkt auf dich zu. Siehst du nur das weiße Hecklicht, fährt es von dir weg.
Segelfahrzeug in Fahrt
Ein Segelfahrzeug unter Segeln (ohne Motor) führt:
- Seitenlichter (grün/rot)
- Hecklicht (weiß)
- Kein Topplicht!
Das fehlende Topplicht ist das entscheidende Merkmal: Wer nachts Seitenlichter, aber kein Topplicht sieht, hat ein Segelboot vor sich. Optional darf ein Segler zusätzlich zwei Rundumlichter im Topp führen: rot über grün.
Wichtig: Sobald ein Segelboot den Motor zuschaltet, gilt es als Maschinenfahrzeug und muss das Topplicht setzen (tagsüber den schwarzen Kegel, Spitze nach unten).
Kleine Fahrzeuge und Ruderboote
- Maschinenfahrzeuge unter 7 m mit höchstens 7 kn: mindestens ein weißes Rundumlicht (möglichst auch Seitenlichter).
- Ruderboote und Segelboote unter 7 m: mindestens eine weiße Lampe (z. B. Taschenlampe), die rechtzeitig gezeigt wird, um eine Kollision zu vermeiden.
Besondere Lichter – die Merksprüche
Bestimmte Fahrzeuge führen zusätzliche Rundumlichter, an denen du ihren Zustand erkennst. Hier helfen die klassischen Eselsbrücken:
- Rot über Rot – das Schiff ist tot: zwei rote Rundumlichter übereinander = manövrierunfähig (z. B. Maschinenausfall).
- Rot – Weiß – Rot: drei Rundumlichter (rot-weiß-rot senkrecht) = manövrierbehindert (z. B. beim Schleppen, Baggern).
- Grün über Weiß – Fischer bei der Arbeit: Schleppnetzfischer (Trawler).
- Rot über Weiß – Lotse heut Nacht: Lotsenfahrzeug.
Vor Anker
Ein vor Anker liegendes Fahrzeug führt ein weißes Rundumlicht (Ankerlicht). Größere Fahrzeuge (ab 50 m) führen zwei – eines vorn, eines achtern, das vordere höher. So erkennst du nachts ein ankerndes Schiff an einem einzelnen weißen Rundumlicht ohne Fahrtlichter.
So lernst du die Lichterführung
- Erst die Grundlichter (Topplicht, Seitenlichter, Hecklicht) und ihre Sektoren sicher beherrschen.
- Dann die Unterscheidung Motor vs. Segel über das Topplicht.
- Zum Schluss die Sonderlichter mit den Merksprüchen.
- Mit Bildern üben: Die Prüfungsfragen zeigen Lichtkombinationen – trainiere das Erkennen aus der Perspektive.
Fazit
Die Lichterführung lässt sich aus wenigen Bausteinen ableiten: Topplicht (225°, vorn), Seitenlichter (grün/rot, je 112,5°) und Hecklicht (135°, achtern). Das Topplicht unterscheidet Motor von Segel, und die Merksprüche („Rot über Rot – das Schiff ist tot”) helfen bei den Sonderlichtern. Mit den typischen Prüfungsbildern in der Boatpass-App kannst du das Erkennen der Lichterkombinationen gezielt mit dem offiziellen ELWIS-Katalog trainieren.