Ein UKW-Funkgerät ist auf dem Wasser dein wichtigstes Mittel, um im Notfall schnell Hilfe zu rufen und dich mit anderen Fahrzeugen, Schleusen oder Häfen zu verständigen. Für Einsteiger wirkt der Seefunk aber oft unübersichtlich: viele Kanäle, Abkürzungen wie DSC und MMSI, dazu feste Verfahren für den Notruf. Dieser Artikel erklärt die wichtigsten Grundlagen, damit du verstehst, wie Funk an Bord funktioniert und worauf es wirklich ankommt.
Warum ein Funkgerät an Bord so wichtig ist
Auf dem Wasser gibt es keine Notrufsäule und oft keinen zuverlässigen Handyempfang. Das UKW-Funkgerät ist deshalb bis heute das zentrale Sicherheitswerkzeug an Bord. Sein großer Vorteil: Ein Notruf wird nicht nur von einer Küstenfunkstelle gehört, sondern von allen Fahrzeugen in Reichweite. So kann im Ernstfall das nächste Boot in deiner Nähe helfen, lange bevor ein Rettungskreuzer eintrifft.
Wichtig zu wissen: UKW funkt quasi-optisch, also ungefähr so weit, wie die Sichtlinie zwischen den Antennen reicht. Die Reichweite hängt darum stark von der Antennenhöhe ab. Ein Handfunkgerät kommt nur wenige Seemeilen weit, eine fest installierte Antenne am Masttopp deutlich weiter. Für die typische Küstenfahrt reicht UKW in der Regel gut aus, für weite Offshore-Passagen braucht man andere Systeme.
Seefunk und Binnenfunk: zwei getrennte Welten
Bevor es um Kanäle geht, ein grundlegender Unterschied: Seefunk und Binnenfunk sind zwei eigene Funkdienste mit eigenen Regeln, eigenen Kanälen und eigenen Zeugnissen. Für den Seefunk brauchst du in der Regel das SRC, für den Binnenfunk das UBI. Beide sind eigenständige Qualifikationen, unabhängig vom Sportbootführerschein. Welches Zeugnis zu deinem Revier passt, erklärt unser Artikel UBI oder SRC im Detail.
Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Grundlagen des UKW-Seefunks, weil dort DSC und die international einheitlichen Notrufverfahren am wichtigsten sind. Vieles davon hilft dir aber auch, den Binnenfunk besser einzuordnen.
Die wichtigsten UKW-Kanäle
Der UKW-Seefunk ist in Kanäle aufgeteilt, die jeweils festen Zwecken dienen. Für den Anfang musst du dir vor allem zwei merken:
- Kanal 16 (156,800 MHz): der internationale Anruf- und Notrufkanal. Über ihn nimmst du erste Verbindung auf und setzt Not-, Dringlichkeits- und Sicherheitsmeldungen per Sprache ab. Kanal 16 ist kein Plauderkanal: Nach der ersten Kontaktaufnahme wechselt man für das eigentliche Gespräch auf einen Arbeitskanal.
- Kanal 70: der Kanal für DSC, den digitalen Selektivruf. Über ihn läuft der digitale Notalarm und der digitale Anruf. Auf Kanal 70 wird nicht gesprochen, er überträgt nur digitale Daten.
Dazu kommen Arbeitskanäle für Gespräche von Schiff zu Schiff, Revier- und Hafenkanäle für die Kommunikation mit Schleusen, Brücken und Hafenmeistern sowie Kanäle für Küstenfunkstellen. Welche Kanäle in deinem Revier gelten, steht in den amtlichen Unterlagen und Revierinformationen. Die genaue Kanalbelegung ist Teil der Funkausbildung und des jeweiligen Fragenkatalogs.
DSC: der digitale Notruf per Knopfdruck
Die meisten modernen Seefunkgeräte beherrschen DSC (Digital Selective Calling, digitaler Selektivruf). Damit lässt sich ein Notruf im Prinzip per Knopfdruck auslösen. Das Gerät sendet dann automatisch einen digitalen Notalarm über Kanal 70, der deine Kennung (MMSI) und, wenn ein GPS angeschlossen ist, deine Position enthält.
Die MMSI (Maritime Mobile Service Identity) ist eine neunstellige Nummer, die deine Funkstelle eindeutig identifiziert, vergleichbar mit einer Telefonnummer für dein Boot. Sie muss vorab beantragt und im Gerät eingetragen werden.
Der Ablauf im Ernstfall: Zuerst löst du den DSC-Notalarm aus (digitaler Alarm über Kanal 70), danach setzt du zusätzlich einen Sprech-Notruf auf Kanal 16 ab. So kombinierst du die automatische, präzise Alarmierung mit der direkten Sprachverbindung. Genau diese Reihenfolge wird auch in der praktischen Funkprüfung geübt.
Die drei Dringlichkeitsstufen: MAYDAY, PAN PAN, SECURITE
Im Sprechfunk gibt es drei feste Signalwörter, die die Dringlichkeit einer Meldung eindeutig kennzeichnen. Sie sind international einheitlich und werden jeweils dreimal gesprochen:
- MAYDAY – der Notruf. Er wird verwendet, wenn ein Fahrzeug oder eine Person in unmittelbarer Gefahr ist und sofortige Hilfe braucht, etwa bei Feuer an Bord, Kollision, Sinken oder einem lebensbedrohlichen medizinischen Notfall.
- PAN PAN – die Dringlichkeitsmeldung. Sie betrifft die Sicherheit eines Fahrzeugs oder einer Person, ohne dass unmittelbare Lebensgefahr besteht, zum Beispiel bei Manövrierunfähigkeit ohne akute Gefahr.
- SECURITE (gesprochen „sekürité”) – die Sicherheitsmeldung. Sie kündigt wichtige Navigations- oder Wetterwarnungen an, etwa Sturmwarnungen oder Hinweise auf Hindernisse.
Diese Rangfolge sorgt dafür, dass alle Mithörer sofort wissen, wie ernst eine Meldung ist. Ein MAYDAY hat immer absoluten Vorrang vor jedem anderen Funkverkehr. Wie du im Notfall über den Funk hinaus Aufmerksamkeit erregst, liest du ergänzend im Artikel Notsignale auf See.
So läuft ein einfacher Anruf ab
Ein normaler Anruf folgt einem klaren Muster. Du rufst die Gegenstelle auf dem Anrufkanal (oder per DSC), nennst zuerst ihren Namen, dann deinen eigenen, und schlägst einen Arbeitskanal vor. Nach Bestätigung wechseln beide Seiten auf diesen Arbeitskanal und wickeln das Gespräch dort ab. So bleibt der Anrufkanal frei für andere.
Damit sich alle verstehen, wird beim Buchstabieren das internationale Buchstabieralphabet verwendet (Alfa, Bravo, Charlie und so weiter). Der internationale Seefunk wird zudem auf Englisch abgewickelt, weshalb die SRC-Prüfung einen Englisch-Teil enthält. Ausführliche Beispieldialoge sprengen den Rahmen dieses Überblicks, gehören aber zu jeder guten Funkvorbereitung.
Die wichtigsten Regeln der Funkdisziplin
Funk ist ein geteiltes Medium: Auf einem Kanal kann immer nur einer senden. Deshalb gelten ein paar feste Grundregeln:
- Kurz und klar funken. Erst denken, dann senden. Lange Monologe blockieren den Kanal für andere.
- Hörwache halten: Wer funkfähig unterwegs ist, sollte nach Möglichkeit Kanal 16 mithören. Die Berufsschifffahrt ist dazu verpflichtet.
- Kanal 16 freihalten: kein Small Talk, keine Tests auf dem Notrufkanal.
- Kein Missbrauch: Ein falscher Notruf ist eine Straftat und bindet Rettungskräfte, die anderswo fehlen.
- Zeugnis nötig: Für den regulären Funkbetrieb brauchst du ein gültiges Funkzeugnis (SRC bzw. UBI). Eine Ausnahme gilt nur für den echten Notfall: In einer akuten Notlage darf jeder an Bord das Funkgerät benutzen, um Hilfe zu rufen.
Fazit
Seefunk ist kein Hexenwerk, wenn man die Grundlagen kennt: Kanal 16 ist der Anruf- und Notrufkanal, Kanal 70 trägt den digitalen DSC-Alarm, und MAYDAY, PAN PAN und SECURITE kennzeichnen die drei Dringlichkeitsstufen. DSC macht den Notruf schnell und präzise, ersetzt aber nicht den Sprech-Notruf auf Kanal 16. Wer diese Bausteine verstanden hat, kann das Funkgerät im Alltag sicher nutzen und im Ernstfall richtig reagieren. Für den regulären Betrieb brauchst du das passende Zeugnis, im echten Notfall zählt aber nur, dass Hilfe kommt.
Die Boatpass-App hilft dir bei der Vorbereitung auf SRC und UBI mit den vollständigen amtlichen Fragenkatalogen, realistischem Prüfungsmodus und gezieltem Fehlertraining, damit du Kanäle, DSC und die Notrufverfahren sicher beherrschst, bevor du selbst zum Mikrofon greifst.