Das Mann-über-Bord-Manöver (kurz MOB) ist das komplexeste Pflichtmanöver in der praktischen Sportbootführerschein-Prüfung – und das, bei dem es im Ernstfall wirklich um etwas geht. In der Prüfung wird statt einer Person meist eine Boje oder ein Fender genutzt. Dieser Leitfaden zeigt den Ablauf Schritt für Schritt unter Motor.

Worauf es ankommt

Bewertet wird nicht artistisches Fahrkönnen, sondern ein ruhiger, sicherer und nachvollziehbarer Ablauf. Drei Dinge stehen im Mittelpunkt:

  1. Du behältst den Verunglückten ständig im Blick.
  2. Du hältst die Schraube vom Verunglückten fern (Verletzungsschutz).
  3. Du näherst dich kontrolliert und langsam an und nimmst nur bei stehendem Boot auf.

Der Ablauf Schritt für Schritt

1. Kommando und Ruhe bewahren

Sobald der Prüfer „Mann über Bord!” (bzw. „Boje über Bord an Steuerbord/Backbord”) ruft, behältst du die Nerven. Hektik führt zu Fehlern – ein klarer Kopf ist der erste Schritt.

2. Schub raus und Schraube wegdrehen

Nimm sofort den Schub heraus und schlage das Ruder hart auf die Seite des Verunglückten ein. Dadurch dreht das Heck – und damit die Schraube – vom Verunglückten weg. Das ist der wichtigste Sicherheitsaspekt des gesamten Manövers: Niemals darf die drehende Schraube in die Nähe der Person geraten.

3. Verunglückten im Auge behalten

Lass den Verunglückten nicht aus den Augen. An Bord wird üblicherweise eine Person abgestellt, die ununterbrochen mit ausgestrecktem Arm auf den Verunglückten zeigt. Auf dem Wasser ist eine treibende Person erstaunlich schnell nicht mehr zu sehen.

4. Rettungsmittel werfen

Wirf ein schwimmfähiges Rettungsmittel (z. B. einen Rettungsring oder Rettungskragen) in die Nähe des Verunglückten. Das gibt ihm Auftrieb und markiert zugleich die Stelle.

5. Aufstoppen und annähern

Fahre einen kontrollierten Bogen und nähere dich dem Verunglückten gegen Wind und Strom. Das bremst das Boot ab und gibt dir die beste Kontrolle über die letzten Meter. Reguliere die Geschwindigkeit so, dass du auf Höhe des Verunglückten kursgerecht aufstoppst – also genau neben ihm zum Stehen kommst, ohne über ihn hinwegzufahren.

6. Aufnahme bei stehendem Boot

Die Aufnahme erfolgt nur bei stehendem Boot mit ausgekuppelter Maschine – die Schraube darf sich beim Längsseits-Kommen nicht drehen. Erst wenn das Boot ruhig liegt, holst du den Verunglückten (in der Prüfung die Boje) an Bord.

Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

  • Schraube nicht weggedreht: Das Ruder gehört sofort auf die Seite des Verunglückten, damit das Heck wegschwenkt. Wer hier falsch lenkt, riskiert genau das, was das Manöver verhindern soll.
  • Zu schnell angefahren: Wer mit zu viel Fahrt ankommt, schießt über die Boje hinaus. Lieber langsam und gegen Wind und Strom.
  • Boje aus den Augen verloren: Ohne ständige Sichtkontrolle wird das Wiederfinden zur Glückssache.
  • Mit laufender Schraube aufgenommen: Vor der Aufnahme muss die Maschine aus dem Gang sein.

Übrigens: Für die meisten Pflichtmanöver hast du in der Prüfung zwei Versuche. Trotzdem lohnt es sich, den Ablauf so zu verinnerlichen, dass er beim ersten Mal sitzt.

So bereitest du dich vor

Das MOB-Manöver lernst du auf dem Wasser – die Theorie dahinter (warum die Schraube weg muss, warum gegen Wind und Strom) gehört aber genauso ins Prüfungswissen und taucht in den Theoriefragen auf. Wie die gesamte Praxisprüfung abläuft, liest du in unserem Überblick SBF Prüfung: so läuft sie ab. Welche Knoten du parallel sicher beherrschen musst, steht im Artikel zu den wichtigsten Knoten.

Fazit

Das Mann-über-Bord-Manöver ist beherrschbar, wenn du den roten Faden kennst: Ruhe bewahren, Schub raus und Ruder zur Seite des Verunglückten (Schraube weg), Verunglückten im Blick behalten, Rettungsmittel werfen, gegen Wind und Strom kontrolliert anfahren und nur bei stehendem Boot aufnehmen. Wer diesen Ablauf sicher abrufen kann, meistert das wichtigste Manöver der SBF-Praxisprüfung souverän – und ist auch im Ernstfall vorbereitet.