Kaum ein Thema kostet Prüflingen beim Sportbootführerschein See so viele Nerven wie die Kursumrechnung. Dabei steckt dahinter nur eine einzige Formel und eine klare Vorzeichen-Regel. Wer beides verstanden hat, löst die Kursfragen der Navigationsaufgabe schnell und sicher. Dieser Artikel erklärt die Umrechnung von rwK, mwK und MgK Schritt für Schritt – inklusive Beschickung für Wind und Strom.
Warum es überhaupt verschiedene Kurse gibt
Dein Magnetkompass an Bord zeigt nicht den geografischen Norden an, sondern wird von zwei Effekten gestört:
- Missweisung (MW): Der magnetische Nordpol liegt nicht am geografischen Nordpol. Die Abweichung ist ortsabhängig und steht in der Kompassrose der Seekarte.
- Ablenkung (Abl), auch Deviation: Das eigene Schiff (Motor, Stahlteile, Elektronik) lenkt die Kompassnadel zusätzlich ab. Die Ablenkung ist schiffs- und kursabhängig und steht in einer Ablenkungstabelle.
Deshalb unterscheiden wir drei Kurse:
| Kürzel | Kurs | Bezug |
|---|---|---|
| rwK | rechtweisender Kurs | geografischer Nordpol (die “wahre” Richtung in der Karte) |
| mwK | missweisender Kurs | magnetischer Nordpol |
| MgK | Magnetkompasskurs | Anzeige deines Bordkompasses |
Die eine Formel, die du brauchst
Vom Kompass zur Karte rechnest du beide Störungen dazu:
rwK = MgK + Ablenkung + Missweisung
Umgekehrt – von der Karte zum Kompass – ziehst du beide wieder ab:
MgK = rwK − Missweisung − Ablenkung
Dazwischen liegt jeweils der missweisende Kurs:
- MgK + Ablenkung = mwK
- mwK + Missweisung = rwK
Merke dir die Reihenfolge von innen nach außen: MgK → (Ablenkung) → mwK → (Missweisung) → rwK. Die Ablenkung sitzt immer direkt am Kompass, die Missweisung außen Richtung Karte.
Die Vorzeichen-Regel: Ost plus, West minus
Der häufigste Fehler sind die Vorzeichen. Es gilt durchgängig:
- Ost (E) = positiv (+)
- West (W) = negativ (−)
Eine Missweisung von „4° E” rechnest du also als +4°, eine Ablenkung von „3° W” als −3°. Setze die Werte einfach mit ihrem Vorzeichen in die Formel ein – dann stimmt das Ergebnis automatisch, egal in welche Richtung gerechnet wird.
Rechenbeispiel 1: vom Kompass zur Karte
Dein Kompass zeigt MgK = 120°. Die Karte gibt eine Missweisung von 3° W an, die Ablenkungstabelle für diesen Kurs 2° E.
- Vorzeichen setzen: Missweisung = −3°, Ablenkung = +2°
- rwK = MgK + Ablenkung + Missweisung
- rwK = 120° + 2° + (−3°) = 119°
Der rechtweisende Kurs, den du in die Seekarte einträgst, beträgt also 119°.
Rechenbeispiel 2: von der Karte zum Kompass
Du hast aus der Karte einen Kurs rwK = 075° abgegriffen und willst wissen, was du steuern musst. Missweisung 2° E, Ablenkung 4° W.
- Vorzeichen setzen: Missweisung = +2°, Ablenkung = −4°
- MgK = rwK − Missweisung − Ablenkung
- MgK = 075° − 2° − (−4°) = 075° − 2° + 4° = 077°
Du steuerst also 077° am Kompass, um über Grund den Kartenkurs zu halten – Wind und Strom noch nicht eingerechnet.
Beschickung für Wind und Strom
Der rwK bringt dich nur dann ans Ziel, wenn weder Wind noch Strom das Boot versetzen. In der Praxis – und in einigen Navigationsaufgaben – kommt deshalb die Beschickung dazu:
- Beschickung für Strom (BS): korrigiert den Stromversatz.
- Beschickung für Wind (BW): korrigiert die Windabdrift (Abdrift).
Der Kurs, den du tatsächlich über Grund machst, heißt Kurs über Grund (KüG). Schematisch:
rwK + Beschickung (Wind/Strom) → KüG (bzw. umgekehrt der zu steuernde Kurs, um einen gewünschten KüG zu erreichen)
Auch hier gilt die Ost-plus-West-minus-Logik für die Richtung der Versetzung. Wichtig fürs Verständnis: Missweisung und Ablenkung sind Kompassfehler, Wind und Strom sind äußere Kräfte – beides wird aber nach demselben Vorzeichen-Prinzip verrechnet.
Die häufigsten Fehler – und wie du sie vermeidest
- Vorzeichen vertauscht: Schreibe MW und Abl immer zuerst mit Vorzeichen auf, bevor du rechnest. Ost +, West −.
- Falsche Richtung: Kläre vor dem Rechnen, ob du vom Kompass zur Karte (+) oder von der Karte zum Kompass (−) rechnest.
- Ablenkungstabelle falsch abgelesen: Die Ablenkung hängt vom anliegenden Kurs ab – lies den Wert für den richtigen Kurs ab, nicht pauschal.
- Über 360° hinaus: Liegt das Ergebnis über 360°, ziehe 360° ab; ist es negativ, addiere 360°.
So übst du es richtig
Die Kursumrechnung ist reine Routine – sie muss sitzen, bis du sie ohne Nachdenken kannst. Am besten rechnest du Dutzende Varianten mit wechselnden Vorzeichen durch, bis die Formel automatisch abläuft. Genau dafür kannst du in der Boatpass-App den Navigationsteil getrennt vom restlichen Fragenkatalog trainieren – mit echten Aufgaben wie in der Prüfung.
Wie die Kursumrechnung in die komplette Navigationsaufgabe eingebettet ist, liest du im Überblicksartikel SBF See Navigationsaufgaben erklärt. Und wenn du noch unsicher bist, ob der SBF See überhaupt der richtige Schein für dich ist, hilft dir der Vergleich SBF Binnen vs. SBF See.
Fazit
Die Kursumrechnung beim SBF See ist kein Hexenwerk: Eine Formel (rwK = MgK + Ablenkung + Missweisung), eine Vorzeichen-Regel (Ost +, West −) und etwas Übung reichen aus. Wer beides verinnerlicht hat, löst die Kursfragen der Navigationsaufgabe in Sekunden – und geht entspannt in den Prüfungstag.