Die Navigationsaufgabe ist für viele Prüflinge die größte Hürde beim Sportbootführerschein See. Sie unterscheidet den SBF See vom SBF Binnen — und erfordert ein grundlegendes Verständnis der Seekartenarbeit. In diesem Artikel erklären wir den genauen Aufbau, die Aufgabentypen und geben Tipps für die Vorbereitung.

Was ist die Navigationsaufgabe?

Die Navigationsaufgabe ist ein eigenständiger Teil der SBF-See-Theorieprüfung. Zusätzlich zu den 30 Multiple-Choice-Fragen (7 Basisfragen + 23 spezifische See-Fragen) bearbeitest du eine Navigationsaufgabe mit 9 Teilfragen. Insgesamt hast du 60 Minuten für die gesamte Theorieprüfung.

Bestehensgrenze

Von den 9 Navigationsfragen musst du mindestens 7 richtig beantworten. Die Navigationsaufgabe wird getrennt gewertet — selbst wenn du alle anderen Fragen richtig hast, fällst du durch, wenn du weniger als 7 der 9 Navigationsfragen korrekt löst.

Die Seekarte D49

Allen Navigationsaufgaben liegt die Übungskarte D49 zugrunde — ein Seekartenausschnitt der Mündungen von Jade, Weser und Elbe (auch als Übungskarte 49 oder INT 1463 bekannt). In der Prüfung erhältst du einen maßstabsgetreuen Ausschnitt dieser Karte, auf dem du Kurse einzeichnest, Positionen bestimmst und Peilungen einträgst.

Die D49 ist keine Übungskarte, die nur zum Lernen dient — sie ist die offizielle Grundlage für alle 15 Navigationsaufgaben im amtlichen Fragenkatalog.

Der amtliche Fragenkatalog: 15 Navigationsaufgaben

Der Fragenkatalog des ELWIS (Elektronischer Wasserstraßen-Informationsservice) enthält genau 15 Navigationsaufgaben, jeweils mit einem eigenen Seekartenausschnitt. In der Prüfung bekommst du eine dieser 15 Aufgaben — du weißt vorher nicht welche.

Aus einem Pool von 15 möglichen Teilfragen werden für jede Aufgabe 9 ausgewählt. Das bedeutet: Die Fragetypen wiederholen sich, aber die konkreten Werte und Positionen ändern sich je nach Aufgabe.

Welche Aufgabentypen kommen dran?

Die 15 möglichen Teilfragen decken diese Bereiche ab:

1. Kurs berechnen und einzeichnen

  • Rechtweisender Kurs (rwK): Der Kurs bezogen auf den geografischen Nordpol. Du liest ihn mit dem Kursdreieck aus der Seekarte ab oder zeichnest ihn ein.
  • Missweisender Kurs (mwK): Der rwK korrigiert um die Missweisung — die Abweichung zwischen geografischem und magnetischem Nordpol. Die Missweisung steht in der Seekarte (Kompassrose).
  • Magnetkompasskurs (MgK): Der mwK korrigiert um die Ablenkung (Deviation) — die schiffseigene magnetische Störung. Die Deviation entnimmst du einer schiffsbezogenen Tabelle.

Die Umrechnungsformel: rwK = MgK + Ablenkung + Missweisung (oder umgekehrt, je nach Fragestellung).

2. Peilungen

Du bekommst Peilungen auf Leuchtfeuer oder andere markante Punkte und musst sie in die Seekarte eintragen. Umgekehrt kann die Aufgabe verlangen, Peilungen aus der Karte abzulesen. Peilungen sind die Grundlage für die Standortbestimmung auf See.

3. Position bestimmen und eintragen

  • Geographische Position ablesen: Du bestimmst die Koordinaten (Breite und Länge) eines Punktes auf der Seekarte.
  • Position eintragen: Du bekommst Koordinaten und musst den Punkt in der Karte markieren.

4. Distanzen messen

Du misst die Entfernung zwischen zwei Punkten in der Seekarte — in Seemeilen (sm). Dafür nutzt du den Breitenmaßstab am Seitenrand der Karte (1 Bogenminute Breite = 1 Seemeile).

5. Koppelnavigation

Beim Koppeln berechnest du die voraussichtliche Position deines Schiffes ausgehend von einem bekannten Startpunkt, dem gesteuerten Kurs und der zurückgelegten Distanz. Das Ergebnis ist der Koppelort (Ok) — die berechnete Position ohne Berücksichtigung von Strom und Wind.

6. Besteckversetzung

Die Besteckversetzung (BV) ist der Vektor vom Koppelort zur tatsächlich beobachteten Position. Sie zeigt, wie stark Strom, Wind und andere Einflüsse dein Schiff vom berechneten Kurs abgebracht haben — angegeben in Richtung und Distanz.

7. Zeit- und Geschwindigkeitsberechnungen

  • Geschwindigkeit: Distanz geteilt durch Zeit (in Knoten — Seemeilen pro Stunde)
  • Zeit: Distanz geteilt durch Geschwindigkeit
  • Distanz: Geschwindigkeit mal Zeit

8. Schifffahrtszeichen beschreiben

Du bekommst ein Symbol in der Seekarte und musst das zugehörige Schifffahrtszeichen beschreiben: Farbe, Kennung (Blinkrhythmus), Toppzeichen, Nenntragweite, Feuerhöhe und Art des Feuers.

9. Seekartenzeichen erklären

Du siehst eine Eintragung in der Seekarte und musst erklären, was sie bedeutet — zum Beispiel Tiefenangaben, Tonnen, Wracks oder Sperrgebiete.

Welche Hilfsmittel brauchst du?

Für die Navigationsaufgabe brauchst du (und darfst mitbringen):

  • Kursdreieck (Navigationsdreieck): Zum Abtragen und Ablesen von Kursen
  • Zirkel oder Stechzirkel: Zum Messen von Distanzen
  • Bleistift und Radiergummi: Die Seekarte wird beschriftet und eingezeichnet
  • Taschenrechner: Für Zeit-/Geschwindigkeitsberechnungen (einfacher Taschenrechner, kein Smartphone)

Zeitplanung in der Prüfung

Die gesamte Theorieprüfung dauert 60 Minuten für 30 Fragen plus 9 Navigationsfragen. Erfahrungsgemäß brauchen geübte Prüflinge 15 bis 20 Minuten für die Navigationsaufgabe. Plane sicherheitshalber 25 bis 30 Minuten ein und bearbeite die Navigationsaufgabe zuerst — sie erfordert die meiste Konzentration.

Tipps für die Vorbereitung

Alle 15 Aufgaben durcharbeiten

Es gibt genau 15 Navigationsaufgaben — nicht mehr. Wer alle 15 mindestens einmal sauber durchgearbeitet hat, kennt jeden Aufgabentyp und jede Schwierigkeit, die in der Prüfung vorkommen kann. Die Aufgaben sind auf der ELWIS-Website kostenlos verfügbar.

Umrechnungen auswendig können

Die Formel rwK → mwK → MgK (und umgekehrt) muss sitzen. Übe die Umrechnung so lange, bis du sie im Schlaf beherrschst. Die häufigsten Fehler passieren bei den Vorzeichen — Missweisung und Ablenkung können positiv (Ost) oder negativ (West) sein. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Rechenbeispielen findest du im Artikel Kursumrechnung beim SBF See: rwK, mwK & MgK einfach erklärt.

Mit der echten Seekarte üben

Übe mit einem maßstabsgetreuen Ausdruck der D49 — nicht nur am Bildschirm. In der Prüfung arbeitest du auf Papier, und das Handling von Kursdreieck und Zirkel auf einer echten Karte fühlt sich anders an als digitales Üben.

Schifffahrtszeichen systematisch lernen

Die Fragen zu Schifffahrtszeichen und Seekarteneinträgen sind reine Wissensfragen. Lerne die wichtigsten Zeichen der Karte 1 / INT 1 (Zeichenerklärung für Seekarten) — Leuchtfeuer, Tonnen, Tiefenlinien, Wracks und Sperrgebiete.

Fazit

Die Navigationsaufgabe beim SBF See ist anspruchsvoll, aber beherrschbar. Es gibt genau 15 Aufgaben im amtlichen Fragenkatalog, und die Aufgabentypen wiederholen sich. Wer alle 15 Aufgaben durcharbeitet, die Umrechnungsformeln beherrscht und mit der echten Seekarte D49 übt, ist gut vorbereitet. In der Boatpass-App kannst du die Navigationsfragen gezielt trainieren — getrennt vom restlichen Fragenkatalog.